Produktkonfigurator: Funktionsweise, Typen und Einsatz im Onlineshop
Ein Kunde will einen Schrank – aber in 2,40 m Höhe, in Eiche natur, mit vier Schubladen und Griffen in Schwarz. In einem klassischen Onlineshop endet das mit einer E-Mail, einem Rückruf und drei Tagen Wartezeit. Mit einem Produktkonfigurator stellt der Kunde sein Produkt in zwei Minuten selbst zusammen, sieht sofort den Preis und bestellt. Dieser Artikel erklärt was ein Produktkonfigurator ist, wie er technisch funktioniert, welche Typen es gibt und für welche Unternehmen sich der Einsatz lohnt.
Was ist ein Produktkonfigurator?
Ein Produktkonfigurator ist eine interaktive Anwendung, mit der Kunden ein Produkt selbst zusammenstellen – Schritt für Schritt, nach ihren eigenen Anforderungen. Statt aus einer festen Liste vorgefertigter Varianten zu wählen, definiert der Kunde Eigenschaften wie Maße, Material, Farbe, Ausstattung oder Zubehör und erhält daraus sein individuelles Produkt.
Drei Dinge passieren dabei gleichzeitig im Hintergrund:
- Regelprüfung: Der Konfigurator prüft laufend, ob die gewählte Kombination technisch möglich ist. Wenn Material A nicht mit Beschlag B kombinierbar ist, wird Option B automatisch ausgeblendet oder gesperrt
- Preisberechnung: Bei jeder Änderung wird der Preis in Echtzeit neu kalkuliert – inklusive Aufpreisen, Mengenstaffeln und kundenspezifischen Konditionen
- Visualisierung: Der Kunde sieht was er konfiguriert – als wechselndes Produktbild, technische Zeichnung oder dreidimensionales Modell
Am Ende steht ein vollständig definiertes Produkt, das direkt bestellt oder als Anfrage an den Vertrieb übergeben werden kann – mit allen Daten, die für die Produktion nötig sind.
Konfigurator, Variantenauswahl und CPQ – die Unterschiede
Diese Begriffe werden häufig vermischt, meinen aber Unterschiedliches:
| Begriff | Was es bedeutet | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| Variantenauswahl | Auswahl aus einer festen Liste vorhandener Artikel. Jede Kombination existiert bereits als eigene Artikelnummer | T-Shirt in S/M/L, drei Farben |
| Produktkonfigurator | Freie Kombination von Eigenschaften nach hinterlegten Regeln. Das Ergebnis entsteht erst durch die Konfiguration | Treppe nach Wunschmaß, Schrank nach Raumsituation |
| CPQ (Configure, Price, Quote) | Konfigurator plus Angebotslogik – oft im B2B, mit Freigabeprozessen, Rabattstaffeln und Angebotsdokumenten | Maschinenkonfiguration mit Angebots-PDF und Vertriebsfreigabe |
Der Übergang ist fließend. Entscheidend für die Wahl ist: Wie viele mögliche Kombinationen gibt es, und existieren diese schon als Artikel – oder entstehen sie erst beim Konfigurieren?
Wie ein Produktkonfigurator technisch funktioniert
Von außen ist ein Konfigurator eine Oberfläche mit Auswahlfeldern. Im Inneren besteht er aus vier Komponenten, die zusammenspielen müssen:
1. Das Produktmodell
Hier ist definiert, aus welchen Merkmalen ein Produkt besteht und welche Werte diese annehmen können. Eine Treppe hat zum Beispiel die Merkmale Holzart, Stufenanzahl, Breite, Geländertyp und Oberflächenbehandlung. Jedes Merkmal hat einen Wertebereich – Holzart hat sechs mögliche Werte, Breite einen Bereich von 70 bis 120 cm.
2. Das Regelwerk
Das ist der anspruchsvollste Teil und der Grund, warum Konfiguratoren selten von der Stange funktionieren. Regeln beschreiben Abhängigkeiten zwischen Merkmalen:
- Ausschlussregeln: Bei Holzart Buche ist Oberfläche X nicht verfügbar
- Bedingungsregeln: Ab einer Breite von 100 cm ist eine Mittelstütze zwingend erforderlich
- Automatikregeln: Bei Auswahl eines bestimmten Geländers werden passende Beschläge automatisch ergänzt
- Wertebereichsregeln: Die maximale Stufenzahl hängt von der Gesamthöhe ab
Ein Produkt mit acht Merkmalen zu je fünf Werten hat rechnerisch über 390.000 Kombinationen. Ohne sauberes Regelwerk würden Kunden Varianten bestellen, die gar nicht produzierbar sind.
3. Die Preislogik
Der Preis kann sich aus Grundpreis plus Aufpreisen ergeben, aus Materialverbrauch mal Quadratmeterpreis, aus Kalkulationsformeln mit Verarbeitungszeiten – oder aus einer Kombination. Im B2B kommen kundenindividuelle Preislisten dazu, wie sie ein Magento 2 B2B Shop abbildet.
4. Die Visualisierung
Vom einfachen Bildwechsel über gestapelte Bildebenen bis zum 3D-Modell mit Echtzeit-Rendering. Welche Variante sinnvoll ist, hängt stark vom Produkt ab – nicht jedes Produkt profitiert von 3D.
Und danach: die Übergabe
Ein Konfigurator ist erst dann wirtschaftlich, wenn die Konfiguration ohne Medienbruch weiterläuft: in den Warenkorb, in die Bestellung, in die Produktion. Das bedeutet eine saubere Anbindung an ERP- oder Warenwirtschaftssysteme. Sonst tippt am Ende doch wieder jemand die Konfiguration manuell ab – und der Effizienzgewinn ist weg.
Welche Typen von Produktkonfiguratoren gibt es?
Auswahlkonfigurator (Step-by-Step)
Der Kunde durchläuft mehrere Schritte und trifft jeweils eine Auswahl. Der Preis aktualisiert sich, eine Vorschau zeigt das Produktbild passend zur Auswahl. Schnell umsetzbar, gut verständlich, für viele Produkte völlig ausreichend.
Geeignet für: Bekleidung mit Veredelung, Möbel mit festen Modulen, Druckprodukte, Zubehörpakete
Parametrischer Konfigurator
Der Kunde gibt Werte ein – Maße, Stückzahlen, Flächen – und das Produkt wird daraus berechnet. Oft kombiniert mit einer technischen Zeichnung, die sich live an die Eingaben anpasst.
Geeignet für: Maßanfertigungen, Zuschnitte, Fenster und Türen, Regalsysteme, Treppen
3D-Konfigurator
Das Produkt wird als dreidimensionales Modell im Browser dargestellt und lässt sich drehen, zoomen und in Echtzeit verändern. Der aufwendigste, aber auch überzeugendste Typ. Ausführlich behandelt in unserem Artikel zum 3D-Produktkonfigurator.
Geeignet für: hochpreisige, erklärungsbedürftige Produkte, bei denen Optik kaufentscheidend ist
CPQ-Konfigurator für B2B
Konfiguration mit angeschlossenem Angebotsprozess: Der Kunde oder der Außendienst konfiguriert, das System erzeugt ein Angebot, interne Freigaben laufen digital, kundenindividuelle Preise werden berücksichtigt.
Geeignet für: Maschinen- und Anlagenbau, technische Komponenten, erklärungsbedürftige Investitionsgüter
Produktkonfigurator im Webshop: Integration statt Insellösung
Ein Konfigurator kann grundsätzlich auf zwei Arten in einen Onlineshop eingebunden werden – und diese Entscheidung hat große Auswirkungen.
Variante 1: Direkt im Shopsystem integriert
Der Konfigurator läuft als Bestandteil des Shops. Die fertige Konfiguration landet direkt im Warenkorb, der Kunde bezahlt im gewohnten Checkout, die Bestellung erscheint im Backend wie jede andere.
Vorteil: Kein Bruch im Kaufprozess, eine Datenbasis, ein Bestellsystem. Für Magento 2 und WooCommerce ist das der übliche Weg für Shops, die direkt verkaufen wollen.
Variante 2: Eigenständiger Konfigurator mit Schnittstelle
Der Konfigurator ist eine separate Anwendung, die per API mit dem Shop kommuniziert. Er kann dann auch außerhalb des Shops eingesetzt werden – im Händlerportal, in einer App, oder vom Außendienst beim Kundentermin.
Vorteil: Flexibilität und Mehrfachnutzung. Nachteil: höherer Entwicklungs- und Pflegeaufwand, zwei Systeme statt einem.
Was bei der Integration oft unterschätzt wird
- Warenkorb-Darstellung: Eine Konfiguration mit zwölf Eigenschaften muss im Warenkorb und in der Bestellbestätigung verständlich dargestellt werden – nicht als kryptischer Code
- Performance: Jede Auswahl löst eine Neuberechnung aus. Wenn das eine Sekunde dauert, bricht der Kunde ab. Ladezeiten und Reaktionsverhalten sind bei Konfiguratoren besonders kritisch
- Mobile Bedienung: Über die Hälfte der Shop-Besuche kommt vom Smartphone. Ein Konfigurator, der nur am Desktop bedienbar ist, verliert die Hälfte der Interessenten
- Speichern und Teilen: Viele Kunden konfigurieren, holen sich eine zweite Meinung und kommen später zurück. Ohne speicherbare Konfiguration ist der Vorgang verloren
Für welche Unternehmen lohnt sich ein Konfigurator?
Ein Produktkonfigurator ist eine Investition und rechnet sich nicht für jedes Produkt. Diese Signale sprechen dafür:
- Ihre Produkte haben viele Varianten oder werden nach Kundenwunsch gefertigt
- Ihr Vertrieb verbringt viel Zeit damit, individuelle Angebote manuell zu kalkulieren
- Es kommt regelmäßig zu Rückfragen, weil Bestellungen unvollständig oder widersprüchlich sind
- Kunden fragen häufig nach Kombinationen, die im Shop nicht abbildbar sind
- Sie beliefern Geschäftskunden, die selbstständig bestellen möchten
Typische Branchen: Möbel und Innenausbau, Treppen- und Fensterbau, Maschinenbau, Werbetechnik und Druck, Arbeitskleidung, Fahrzeugzubehör, Sonnenschutz.
Wann sich ein Konfigurator nicht lohnt: Wenn Ihr Sortiment aus wenigen Standardartikeln besteht, wenn die Varianten bereits als eigene Artikel gepflegt sind, oder wenn die Produktkomplexität so hoch ist, dass ohnehin immer ein Techniker mitreden muss. In diesen Fällen ist eine gut gemachte Variantenauswahl oder ein Anfrageformular die wirtschaftlichere Lösung.
Was ein Konfigurator im Betrieb verändert
- Weniger manuelle Angebotsarbeit: Anfragen, die vorher einzeln kalkuliert wurden, laufen automatisiert – der Vertrieb kümmert sich um die Fälle, die wirklich Beratung brauchen
- Weniger Fehlbestellungen: Das Regelwerk verhindert Kombinationen, die nicht produzierbar sind. Das reduziert Nachfragen, Korrekturen und Retouren
- Verkauf außerhalb der Geschäftszeiten: Kunden konfigurieren abends und am Wochenende – dann, wenn niemand ans Telefon geht
- Bessere Produktionsdaten: Die Konfiguration enthält alle Angaben strukturiert und kann direkt weiterverarbeitet werden
- Höherwertige Bestellungen: Wer bewusst konfiguriert, wählt häufiger gehobene Ausstattungen als bei einer reinen Preisliste
Fertige Software oder individuelle Entwicklung?
Am Markt gibt es Konfigurator-Plattformen, die als Baukasten funktionieren. Sie sind schneller startklar und günstiger im Einstieg – aber laufen monatlich als Lizenz und stoßen an Grenzen, sobald die Regellogik oder die Integration vom Standard abweicht.
Eine individuelle Entwicklung kostet in der Anschaffung mehr, hat dafür keine laufenden Lizenzgebühren, bildet Ihre Regellogik exakt ab und lässt sich beliebig erweitern – zum Beispiel über individuelle Magento 2 Module.
Die ehrliche Antwort: Für standardisierbare Produkte mit überschaubarer Regellogik kann eine fertige Plattform ausreichen. Sobald Ihre Preislogik, Ihre Fertigungsregeln oder Ihre Systemlandschaft eigene Wege gehen, wird die individuelle Lösung schnell wirtschaftlicher – weil jede Sonderanforderung im Baukasten entweder teuer oder gar nicht umsetzbar ist.
Praxisbeispiel: Treppenkonfigurator im Magento 2 Shop
Für den StarWood Treppenshop haben wir einen Produktkonfigurator direkt in Magento 2 integriert. Treppen sind ein Musterbeispiel für Konfigurationsbedarf: Holzart, Maße, Stufenform, Geländer und Oberfläche ergeben eine praktisch unbegrenzte Zahl an Kombinationen – und fast jede Bestellung ist ein Einzelstück.
Vor dem Konfigurator lief jede Anfrage über den Vertrieb: E-Mail, Rückfrage, manuelle Kalkulation, Angebot, Nachbesserung. Heute konfiguriert der Kunde selbst, sieht das Ergebnis visuell, erhält den Preis sofort und kann direkt bestellen oder anfragen. Die Konfigurationsdaten fließen strukturiert weiter – inklusive Multichannel-Anbindung an OTTO, Kaufland und eBay aus demselben Backend.
Weitere Projekte finden Sie auf unserer Referenzseite.
Häufige Fragen zum Produktkonfigurator
Was kostet ein Produktkonfigurator?
Einfache Auswahlkonfiguratoren beginnen bei etwa 4.000 €. Parametrische Konfiguratoren mit komplexer Regellogik und Shop-Integration liegen meist zwischen 15.000 und 40.000 €. 3D-Konfiguratoren mit ERP-Anbindung darüber. Ausschlaggebend sind die Zahl der Merkmale, die Komplexität der Regeln und die benötigten Schnittstellen. Details dazu auf unserer Seite Produktkonfigurator erstellen lassen.
Wie lange dauert die Entwicklung?
Einfache Konfiguratoren sind in vier bis acht Wochen umsetzbar. Bei komplexer Regellogik, 3D-Visualisierung oder ERP-Integration sollten Sie mit drei bis sechs Monaten rechnen. Der zeitaufwendigste Teil ist meist nicht die Programmierung, sondern das saubere Erfassen und Strukturieren der Produktregeln.
Kann ich den Konfigurator später selbst pflegen?
Ja, wenn er entsprechend gebaut ist. Neue Materialien, geänderte Preise oder zusätzliche Optionen sollten Sie über eine Administrationsoberfläche selbst einpflegen können. Nur strukturelle Änderungen – etwa ein völlig neues Merkmal mit eigener Regellogik – erfordern Entwicklungsarbeit.
Funktioniert ein Konfigurator auch im B2B?
Gerade dort entfaltet er seine größte Wirkung. Geschäftskunden bestellen wiederkehrend und wissen genau was sie brauchen – sie wollen nicht auf Rückrufe warten. In Kombination mit kundenindividuellen Preisen und Freigabeprozessen wird der Konfigurator zum Bestellportal.
Was passiert mit der Konfiguration nach der Bestellung?
Idealerweise fließt sie strukturiert weiter: in die Auftragsbestätigung, ins ERP-System, in die Fertigungsplanung. Genau hier entscheidet sich, ob ein Konfigurator wirklich Aufwand spart – oder nur die Dateneingabe vom Kunden zum Innendienst verschiebt.
Konfigurator für Ihr Produkt?
Ob sich ein Konfigurator für Ihr Sortiment lohnt und welcher Typ passt, lässt sich in einem Gespräch schnell klären. Als Magento 2 Agentur aus Nürnberg haben wir Konfiguratoren für Shops mit sehr unterschiedlichen Anforderungen umgesetzt – und sagen Ihnen auch, wenn eine einfachere Lösung ausreicht.
Alle Leistungen dazu finden Sie auf unserer Seite Produktkonfigurator erstellen lassen. Oder kontaktieren Sie uns direkt für ein kostenloses Erstgespräch – Antwort innerhalb von 24 Stunden.
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